Disney wagt Wissenschaft

Ein Kinderfilm über Psychologie. Wie darf man sich das vorstellen? Bunt, emotional, kitschig und erstaunlich tiefsinnig.

Ein Gefühl tänzelt durch den Kopf, leichtfüßig, mit schwingendem Kleid und blauem Glitzerhaar. Die feeifizierte Freude, die hell aufleuchtet, als das neugeborene Mädchen zum ersten Mal Mama und Papa erblickt und den schönen Satz hört: „Du bist das Wunderbarste auf der Welt, Riley.“ Wer hört diesen Satz nicht gerne.

Ein kitschiger Traum? Ein Drogentrip? Fast: ein neuer Disney-Film. Alles steht Kopf erzählt von der Kindheit der kleinen Riley, und zwar insbesondere von dem, was sich in dieser Zeit im Kopf des Mädchens abspielt. Dort befindet sich eine Art Kommandozentrale, in der fünf Emotionen miteinander ringen: Angst, ein dürres Männchen mit Pullunder, Wut, ein roter Hitzkopf, eine mäklige Zicke namens Ekel, Kummer, eine behäbige Heulsuse mit Oma-Brille, und natürlich Freude, die Kitsch-Fee. Deren Aufgabe ist es, Riley stets das Positive vor Augen zu führen.

Zugleich agiert sie als Anführerin der Truppe. Freude sorgt dafür, dass Kummer sich vom Steuerpult fernhält, damit sie Riley nicht traurig macht; dass Angst oder Ekel nur ans Ruder kommen, wenn Gefahren lauern (wie Stromkabel oder Brokkoli); und dass Wut seinen Auftritt erhält, wenn Riley Ungerechtigkeit droht („kein Nachtisch? KEIN NACHTISCH?“). Kurzum, das Emotionen-Team steuert auf ein gemeinsames Ziel zu: Alle wollen, dass es Riley gut geht.

NLP-Teilemodell

Dieser Film erinnert mich sehr stark an das Modell der inneren Anteile. Hier geht man von der Grundannahme aus, dass die Persönlichkeit eines Menschen sich als ein aus vielen (meist unbewussten) Persönlichkeitsanteilen zusammengesetztes Ganzes beschreiben lässt.

Das NLP-Teilemodell geht davon aus, dass in uns, neben unserem Bewusstsein, weitere unbewusste Teilpersönlichkeiten existieren und agieren. Dabei handelt es sich um eine Form verwurzelte Kindheitsperson, wie wir sie früher waren. Das Innere Kind ist somit ein Speicher all unserer guten und schlechten Erfahrungen als Kind und Jugendlicher.

Jeder dieser Teile verfolgt seine eigenen Ziele. Einzelne Teile wissen oft nichts von einander, interessieren sich auch nicht füreinander und können im Konflikt zueinander stehen. Sie agieren i.d.R. unabgestimmt auf der unbewussten Ebene. Ihre wesentliche Gemeinsamkeit ist, dass sie zu derselben Person gehören.

Weiter geht man in der Psychologie von der Annahme aus, dass jeder dieser Teile mit dem, was er tut, eine gute Absicht verfolgt, unabhängig davon, ob wir die Art und Weise, wie der das tut, schätzen oder ablehnen. In wie weit die inneren Persönlichkeitsanteile miteinander harmonieren, zeigt sich in dem Verhältnis Kongruenz / Inkongruenz.

Ein Mensch ist umso glücklicher, je mehr es ihm gelingt, dafür zu sorgen, dass seine Teile in Harmonie miteinander sind. Menschen fühlen sich „zerrissen“ oder „fremdbestimmt“, wenn sie mächtige nicht integrierte Teile haben.

Expedition in die Psyche

Allein die Grundidee, die Story im Kopf spielen zu lassen, ist genial. Während die äußere Handlung so schlicht und alltäglich ist, wie sie nur sein kann, geht in dem Kopf der Protagonistin die Post ab. Die Handlung tragen die fünf Grundemotionen Freude, Kummer, Wut, Ekel und Angst – jede von ihnen brillant charakterisiert, denn keineswegs sind die kleinen bunten Männchen so einseitig wie sie klingen, sodass man jeden von ihnen für ihre Schrullen gern haben muss.

Bei der Mission, die die Antagonistinnen Freude und Kummer im Kopf erleben, dringen wir ein in eine visualisierte Welt der Psychologie: Das Labyrinth voller Erinnerungen, die jeweils als Kugeln in Regalen lagern, die Persönlichkeitsinseln, das Unterbewusstsein, wo Dämonen wie Omas Staubsauger, ein Clown und ein Broccoli-Baum unter Verschluss gehalten werden, sowie die finstere Halde im Abgrund, wo sich die Erinnerungen unwiderbringlich auflösen. Wir sehen, dass Träume gedreht werden wie Daily Soaps, wir sehen, wie konkrete Figuren abstrahiert werden, und wir erfahren, was mit imaginären Freunden entsteht, sobald sie überwunden sind. Diese Welt steckt voller grandioser Einfälle und Überraschungen.

FAZIT:

ALLES STEHT KOPF ist ein neuer wunderbarer Geniestreich von Pixar. Er bietet nicht nur Kindern kluge Kinounterhaltung, sondern auch Erwachsenen, und ist dabei lockerleicht und tiefgründig zugleich, durchdacht und überaus witzig. Die Handlung findet nicht nur in Rileys Kopf statt. Der Film springt zwischen den äußeren Szenen im wirklichen Leben Rileys und ihrem Innenleben, dem Arbeiten der Gefühle in der Kommandozentrale.

Es ist dem Film ALLES STEHT KOPF glücklicherweise gelungen, diese schon komische Idee auch durchaus witzig umzusetzen. Ein besonders kluger Schachzug des Films ist es, dass er sich nicht die ganze Zeit auf Riley beschränkt, sondern auch ab und an in die Köpfe der Eltern oder anderer Menschen springt. Ein sehr empfehlenswerter Film.

Als Laie in Hinsicht auf wissenschaftliche Kenntnisse über die Psyche oder das menschliche Gehirn kann man nur vermuten, wie viele Anspielungen auf wissenschaftliche Tatsachen, Theorien oder Phänomene in ALLES STEHT KOPF eingebaut wurden. Denn die Macher arbeiteten eng mit Neurologen und Psychologen zusammen.

 

Quellenangaben: http://www.zeit.de, http://www.spiegel.de,

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